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Arbeitsteilung in der Praxis: Förderung der MPA

Bericht DEFACTO 04/2017, Marco Plüss, Argomed Ärzte AG

Zum einen steht eine wachsende Anzahl an Versicherten und künftigen Patienten einer rückläufigen Anzahl an Hausärzten gegenüber. Um der steigenden Belastung in vermehrt übervollen Praxen mit gleichbleibenden Ressourcen gerecht werden zu können, sind Hausärzte gezwungen, die täglichen Abläufe zu optimieren. Dies soll jedoch nicht auf Kosten der Qualität und auch nicht zulasten der Patienten in Form eines Aufnahmestopps geschehen. Ziel ist, die bestehenden Ressourcen möglichst gewinnbringend einzusetzen und dadurch einen Mehrwert und Nutzen zu schaffen. 

Ein Ansatz ist, die Arbeitsteilung in der Praxis zu fördern. Dies soll zum Beispiel mit einer gezielten Förderung und Weiterbildung der MPA möglich gemacht werden. Im Rahmen der vergangenen Argomed Netzkonferenz im Herbst wurde anhand des Doktorzentrums Mutschellen aufgezeigt, wie eine solche Optimierung funktionieren kann. Das Doktorzentrum Mutschellen beschäftigt unter anderem eine Medizinische Praxiskoordinatorin (MPK) in praxisleitender Richtung, die alle Koordinationsaufgaben inkl. zum Beispiel der personellen Führung der MPA übernimmt. 

Rahel Hüsser, MPK in praxisleitender Richtung, bestätigt: «Wir handeln grösstenteils autonom, haben jedoch eine Ansprechperson in der Ärzteschaft.»

Und Dr. med. Andreas Weisshaar, einer der leitenden Ärzte im Doktorzentrum Mutschellen, ergänzt: «Dies ist eine grosse Entlastung, da die Ärzteschaft sich wieder auf den eigentlichen Job konzentrieren kann. Grundsätzlich wird die Praxis durch die leitenden MPK geführt.» 

In der weiterführenden Ausbildung der MPA zur MPK wird zwischen der praxisleitenden und der klinischen Richtung unterschieden. Die praxisleitende Richtung soll klinisch-medizinische Erfahrung mit Geschäftsführungs-Know-how verbinden. Dies kann das Personalwesen, Löhne, Kommunikation und Qualitätssicherung umfassen. Die klinische Richtung hingegen konzentriert sich auf die ganzheitliche Betreuung von Patienten mit chronischen Krankheiten. Eine MPK klinischer Ausrichtung erfasst z. B. die aktuelle Lage eines Patienten, plant die weitere Behandlung, fördert die Selbsthilfekompetenz des Patienten und dessen Angehörigen und koordiniert Leistungserbringer.
 
Leila El-Akab, MPK klinischer Ausrichtung im Doktorzentrum Mutschellen, erwähnt, pro Woche betreue sie vier bis sechs Patienten praktisch autonom, ein Arzt werde lediglich für die Schlusskontrolle beigezogen. Dr. med. Andreas Weisshaar bestätigt: «Einerseits entsteht eine zeitliche Entlastung, da die Betreuung mehrheitlich ausgelagert wird. Andererseits wird auch der administrative Aufwand verringert, da die MPK sozusagen ihre ‹eigenen› Patienten selbst organisiert. Und zu guter Letzt können die Leistungen über die Tarmed-Position 00.1430 abgerechnet werden.» 

Nebst einer Entlastung in der Praxis kann durch eine gezielte Förderung zudem das Berufsbild der MPA aufgewertet werden und wieder an Attraktivität gewinnen. Das Bedürfnis nach einem Wechsel in eine andere Sparte (Stationäre Leistungserbringer, Pharma usw.) könnte durch eine neue Perspektive ebenfalls gemindert werden. 

Noch sind einige Fragen zu klären und natürlich ist eine anfangs kostenintensive Ausbildung nicht für jede Praxisart und -grösse gleich gut geeignet. Das Netzkonferenz-Plenum ist sich jedoch einig, dass man hier gemeinsam anpacken will. Die Argomed Ärzte AG prüft derzeit verschiedene Möglichkeiten für eine gemeinsame Förderung.
 

Weiterführende Informationen zu den MPA-Weiterbildungsmöglichkeiten:

Kontakt

Marco Plüss

Bereichsleiter Managed Care
Betriebsökonom FH
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