20200109 Argomed Logo für Signatur

Lokale Qualitätszirkel – Pulsgeber für Managed Care

Seit über 25 Jahren engagiert sich Dr. med. Gregor Dufner mit Leidenschaft für die Hausarztmedizin. Er berichtet, weshalb Qualitätszirkel weit mehr sind als Pflichttermine, und wie sie konkret zur besseren Versorgung der Patientinnen und Patienten beitragen.

20.01.2026
Dr. med. Gregor Dufner
5 Minuten

Bild Gregor Dufner Blog

Dr. med. Gregor Dufner
Hausarzt und Präsident des Ärztenetzes Bremgarten-Mutschellen-Kelleramt 

Wie definieren Sie einen Qualitätszirkel im Kontext der hausärztlichen Tätigkeit? 
Ein Qualitätszirkel ist für mich weit mehr als eine formelle Austauschplattform. Natürlich erfüllen wir auch die Anforderungen der Krankenversicherer. Doch das eigentlich Wertvolle geschieht dazwischen: Wir treffen uns regelmässig mit Kolleginnen und Kollegen, diskutieren praxisrelevante Themen, reflektieren unsere Arbeit und bauen echte Netzwerke auf. Das ist gelebte Qualitätssicherung – fachlich, menschlich und organisatorisch. 

Welchen konkreten Nutzen sehen Sie für die teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte?
Fachlich profitieren alle voneinander. Bei jedem Treffen fliesst die gebündelte Erfahrung vieler Berufsjahre in einen intensiven Austausch ein. Besonders belebend ist die Mischung aus jüngeren und berufserfahreneren Hausärztinnen und Hausärzten. In den thematisch frei gestaltbaren Fachvorträgen und Diskussionen werden relevante Themen vertieft, oft gemeinsam mit Spezialistinnen und Spezialisten. Neben der Fortbildung ist auch das gemeinsame Essen essenziell: Die informellen Gespräche fördern Vertrauen, erleichtern die Zusammenarbeit und verbessern Schnittstellen – etwa bei Spitalüberweisungen oder Hausarztwechseln. So entstehen Netzwerke, die direkt den Patientinnen und Patienten zugutekommen. Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen Hausärzte derselben Region sich kaum kannten. 

Welche Rolle spielt die kritische Reflexion des eigenen Handelns?
Eine zentrale. In unserem Kreis herrscht eine offene, wohlwollend-kritische Diskussionskultur. Jede Meinung ist willkommen. Durch diesen Austausch reflektiert man automatisch das eigene Tun – fachlich, diagnostisch und therapeutisch. Wir besprechen auch kritische Situationen, etwa CIRS-Fälle oder administrative Herausforderungen. So lernen alle, ohne dass jemand Angst haben muss, Fehler einzugestehen. 

Wie wirkt sich der QZ auf die Patientenversorgung aus? 
Ganz direkt. Alle Patientinnen und Patienten profitieren – unabhängig von ihrem Versicherungsmodell. Weil wir die Akteure in der Region gut kennen, läuft die Kommunikation schneller und gezielter. Wer Verantwortung trägt, weiss, wen er anrufen kann. Das spart Zeit, verhindert Informationsverluste und verbessert die Versorgung spürbar. So entsteht echte, koordinierte Medizin. 

Ihr Netz bietet jährlich zwölf QZ-Treffen an – wie gelingt es, die Teilnehmenden langfristig zu motivieren? 
Die Basis liegt in der Verbindlichkeit, die bereits mein Vorgänger, Dr. med. Andreas Weisshaar, etabliert hat. Die Teilnahme ist statutarisch verankert – wer mehrmals unentschuldigt fehlt, verliert die Mitgliedschaft. Das schafft Vertrauen und Ernsthaftigkeit. Zudem pflegen wir ein offenes, lebendiges und angenehmes Klima. Jede und jeder soll sich einbringen können. Die Struktur ist klar: 

  • letzter Dienstag im Monat 
  • ungerade Monate mit persönlichem Austausch 
  • gerade Monate mit Weiterbildung und Fachreferaten 

Die Teilnahme wird finanziell entschädigt – als Zeichen der Wertschätzung für das Engagement ausserhalb der regulären Arbeitszeit. 

Wie sieht Ihre Vision für die Weiterentwicklung der QZ aus?
Das System funktioniert gut, bleibt aber flexibel. Künftig wird es vor allem darum gehen, die Motivation trotz steigender Belastung hochzuhalten. Dafür braucht es Wertschätzung, Struktur und das Bewusstsein, dass QZ echte berufliche und persönliche Bereicherung sind. 

Was motiviert Sie persönlich, im QZ mitzuwirken?
Für mich sind die Qualitätszirkel ein Gewinn auf allen Ebenen. Ich schätze die Kombination aus persönlichem Austausch und fachlicher Weiterbildung. In jeder Sitzung kann ich etwas mitnehmen, das ich direkt in meiner Praxis umsetzen kann – zum Nutzen meiner Patientinnen und Patienten. Genau das motiviert mich seit vielen Jahren. 

 

Was ist ein Qualitätszirkel?
Der Qualitätszirkel (QZ) ist das Herzstück von Managed Care. Er bringt Hausärztinnen und Hausärzte regelmässig zusammen, um gemeinsam über die Qualität der Patientenbehandlung zu reflektieren, voneinander zu lernen und Verbesserungen anzustossen. Eine wichtige Rolle spielt auch die Vernetzung mit anderen Akteuren im Gesundheitswesen – etwa mit Spezialistinnen und Spezialisten, Spitex-Organisationen, Pflegeeinrichtungen und weiteren Partnern. 

  • LinkedIN

Haben Sie Fragen?
argomed@argomed.ch  |  Tel. +41 56 483 03 33
Argomed Ärzte AG | Bahnhofstrasse 24 | CH-5600 Lenzburg
Logo ARGOMED ohneZusatz RGB white
Wir verwenden Cookies, um die Website für Sie möglichst benutzerfreundlich zu gestalten. Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies auf Ihrem Gerät speichern.
Datenschutzerklärung
OK