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Tardoc: «Fehlerhaft – aber verbesserbar»

Am Argomed HausarztFORUM sprach FMH-Präsidentin Yvonne Gilli über den Wechsel von Tarmed zu Tardoc. Ihr Fazit: Der neue Tarif ist nicht perfekt – aber ein notwendiger Schritt, den die Ärzteschaft aktiv mitgestalten muss.

24.11.2025
Dr. phil. des. Sarah Bourdely
5 Minuten

Sarah Bourdely

Dr. phil. des. Sarah Bourdely

Medizinische Redaktorin, Medinside

Anfang 2026 wird der seit 2004 geltende Tarmed abgelöst: durch den Einzelleistungstarif Tardoc und die ambulanten Pauschalen. Gemeinsam bilden sie das neue AAT-Ambulante Arzttarife).

Damit endet eine jahrzehntelange Reformblockade. Doch der Systemwechsel ist kein sanfter: Tardoc kommt mit Schwächen – und die Erwartungen sind hoch. Während spezialisierte Fachgebiete künftig stärker pauschalisiert werden, bleiben Hausärztinnen und Hausärzte «Gott sei Dank von den Pauschalen verschont», betonte FMH-Präsidentin Yvonne Gilli am Argomed HausarztFORUM in Baden. Der Grund hierfür: Die Grundversorgung sei schlicht zu heterogen, um sie in ein Pauschalmodell zu pressen.

«Ein fehlerhafter Tarif»
Yvonne Gilli machte keinen Hehl daraus: Der neue Tarif kommt mit Fehlern. Einer davon: Er basiert auf Daten von 2019. Die Tardoc-Grundlage ist damit bereits veraltet. Dennoch sieht Gilli einen entscheidenden Vorteil gegenüber Tarmed: Erstmals seit 2004 könne der ambulante Tarif jährlich aktualisiert werden – datenbasiert, schrittweise und gemeinsam mit den Tarifpartnern. Bereits jetzt laufen rund 500 Änderungsanträge, und die grosse Mehrheit stamme aus der Ärzteschaft selbst.

Mehrmals betonte die FMH-Präsidentin, dass die wichtigste Errungenschaft nicht die perfekte Tarifstruktur sei, sondern die Rückgewinnung der Tarifautonomie: «Das ist der Beweis dafür, dass wir mitgestalten können». Die Alternative wäre der Amtstarif – politisch auferlegt, oft wenig sachgerecht, und laut Gilli direkt verantwortlich für die Fehlanreize der vergangenen 20 Jahre.

Globalbudget: «zu enges Korsett»
Doch auch die neu gewonnene Tarifautonomie stehe unter Druck. Der Bundesrat habe dem System einen Kostenkorridor und zusätzlich ein Globalbudget mit einer Wachstumsgrenze von vier Prozent auferlegt. Letzteres sei «ein zu enges gesetzliches Korsett», das sachgerechte Tarife unmöglich mache, so Gilli. Hier brauche es politischen Widerstand – insbesondere durch die Ärzteschaft: «Das müssen wir gemeinsam sprengen». Gerüchte über massive finanzielle Einbussen wies Yvonne Gilli entschieden zurück: «Dass Sie als Hausärztinnen und Hausärzte dann 20 Prozent verlieren, kann nicht passieren.» Der gesetzte Kostenkorridor lasse Verluste im Kollektiv nur im Bereich von etwa 1 bis 1,5 Prozent zu. Gewinner und Verlierer werde es dennoch geben. Einige Hausärzte hätten unter Tarmed überdurchschnittlich profitiert und müssten nun realistisch sein: Wer zuvor besser gestellt war, könne nicht auf eine Verbesserung im neuen System hoffen.

Aktiv mitgestalten
Die FMH-Präsidentin machte den Anwesenden klar: Einzelne Ärztinnen und Ärzte können keine direkten Anträge an die nationale Tariforganisation OAAT stellen. Der Weg führt über die eigenen Tarifdelegierten und die kantonalen Hausarztgesellschaften. Sie bündeln Anliegen, geben sie an die FMH weiter, und erst dann gelangen sie an die OAAT. Dieser strukturierte Prozess sei notwendig, damit alle Fachdisziplinen der FMH sowie die Versicherer, Spitäler und Kantone an einem Tisch zusammenarbeiten können.

Was Hausärztinnen und Hausärzte jetzt zwingend tun müssten: ihre Verträge im Portal «My FMH» unterschreiben, die Besitzstände bis Mitte November prüfen und allfällige Spartenanerkennungen – etwa für MPKs – rechtzeitig einreichen. Viele Prozesse benötigen mehr Zeit, als man vermutet.

«Bitte machen Sie das nicht am letzten Tag», warnte Gilli mehrfach. Wer erst am 31. Dezember einlogge, werde es kaum rechtzeitig schaffen.

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